Korsika an backbord...

 

Eine ganz normale Überfahrt

"piep - piep - piep - piep" schallt es in mein Ohr - aber nur im Traum. Wir haben keinen Wecker. Warum auch? Im Urlaub weckt uns die Sonne und nicht die Zivilisation. Nach ein paar Tagen erfahren wir sogar die Uhrzeit nur noch aus der Heimat, bei unseren regelmäßigen Anrufen. Also macht Frau Kaleu auch kein Frühstück bevor ich aufstehe. Hmmm, schade eigentlich. Für Langschläfer wie mich wäre so eine Angewohnheit außerordentlich praktisch. Aber die Hitze in der kleinen Kajüte lässt uns meistens gemeinsam aufstehen.

Heute steht ein Schlag an Elbas Nordküste an, der uns bei steifem Westwind an den Felsen vorbeikreuzen lässt. Die Charterjollen, die mittlerweile ausgelaufen waren, lassen wir in der Bucht mit ihren typischen Vier-Mann-Rettungswesten Besatzungen an Bord zurück, nur ein paar Strandkatamarane trauen sich noch so weit vom Land weg. Wahrscheinlich wollen auch sie das aufregende Panorama der Küste bewundern, bietet Elba doch eine Mixtur aus dichter Vegetation mit interessanten Felsformationen im Wasser davor. Daran fahren wir heute zwar lange, aber nicht sehr weit vorbei. Der Westwind hat die Wellen höher getrieben, was das Aufkreuzen geringfügig langsam macht. In der Nähe des Cap d´Enfola verbringen wir die letzte Nacht auf dieser Insel.

Die Überfahrt nach Korsika verläuft sehr problemlos, auch wenn zumindest ich vorher etwas aufgeregt bin. Ebenso scheint Frau Kaleu unserem Vorhaben dieses Tages nicht ganz kritiklos gegenüberzustehen: Als wir Polveraia in der Nähe des Nordwestkap am Vormittag passieren, gibt sie zu Bedenken, dass es doch auch schön und sportlich und gar keine kleine Entfernung wäre, nur Elba zu umrunden. Nun, der Gedanke war mir auch schon gekommen, erscheint doch der Umriss der bis zu 1018 Meter hohen Insel aus der Entfernung viel größer als die Karte vermuten ließ.
Nachdem uns der frische Nordwind mit 4 Beaufort gepackt hat, sagen wir uns aber schnick schnack, weiter geht's und trimmen die Segel für die Überfahrt. Dabei passiert nicht viel, wir wechseln uns am Ruder ab, ich schaue jede halbe Stunde aufs GPS um unseren Fortschritt zu verzeichnen und beide wundern wir uns, warum Elba so langsam hinter uns verschwindet während wir uns Korsika genau so langsam nähern. Gegen Ende des Törns wissen wir, dass es an der guten Sicht lag, die nach drei Stunden Fahrt vorgaukelte, als könnte man immer noch nach Elba rüberschwimmen. Dieser optischen Täuschung mussten wir zum Glück nicht folgen, da wir nach knapp sieben Stunden flotter Fahrt, das GPS sprach von über 7 Knoten und stärker werdendem Wind in Santa Severa anlegten.
Der Hafenmeister wurde mit 10 Euro, das Schiff mit einer dicken Muringkette und die Besatzung mit einem leckeren Abendessen zufrieden gestellt. Die Karaokeshow in dem sehr kleinen Dorf, welche zwischen zwei Häusern open air veranstaltet stattfand, wurde von der einheimischen Jugend frequentiert, welche ich persönlich nicht zu einem Gesangscasting einladen würde.
Gestört hat es an diesem Abend nicht, hatten wir doch nach Karte den Corsica Channel durchquert und somit ein großes von vielen unserer Ziele erreicht.

Spass bei 7 Knoten und mehr
Zufrieden mit der Segelstellung
Ein verrostetes Kielschwein auf der Hafenmole, im Hintergrund Elba
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